Der Sinn des Lebens

Der Sinn des Lebens

Einen einheitlich definierten und für alle Menschen gültigen Sinn des Lebens gibt es nicht. Aber gerade das macht es vielen Menschen im Leben auch so schwer, für sich einen Sinn im Leben zu finden. Durch meine religiöse Erziehung sah ich schon früh als Kind den Sinn im Leben aus christlicher Sicht, im Sinne der Lehre der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen). Das bedeutet, dass das Erdenleben nur eine Prüfungszeit sei und auf das Leben im Jenseits vorbereiten soll. Allerdings heißt diese allgemeine christliche Definition nicht, dass der einzelne Mensch nicht für sich selbst einen Sinn im Leben findet muss.

Dieser Lebenssinn kann sich im Laufe des Lebens, wenn der Mensch an Erfahrungen und Reife zunimmt, auch verändern, sofern dieser Sinn bereits für sich entdeckt wurde. Es soll ja auch Menschen geben, die nicht unbedingt über einen größeren Sinn im Leben nachdenken. Das kann ich mir für mich allerdings nicht vorstellen. Für manche Menschen scheint der Sinn des Lebens darin zu bestehen, möglichst viel Spaß und Freude im Leben zu haben. Diese Auffassung scheint dann in Anlehnung von Freuds Vorstellung zu sein, welcher der Auffassung ist, dass der Mensch bis ans Lebensende auf der Suche nach Möglichkeiten ist, sein Lustbedürfnis auszuleben.

Ich bin der Meinung, dass Menschen, die in ihrem Leben keinen tieferen Sinn sehen, oder bisher nicht gefunden haben, irgendwann im Laufe ihres Lebens an Grenzen kommen, wo es ohne einen tieferen Sinn sehr leer in ihrem Dasein wird. Meiner Meinung nach ist es dass, was die Psychologie auch „innere Leere“ nennt. Allerdings denkt wohl eher ein Mensch über den Sinn des Lebens nach, wenn dieser in Lebenskrisen kommt, oder in einem bestimmten Alter ist. Für manche Menschen ist aber auch der Sinn des Lebens viel Geld zu verdienen, eine Familie gründen, Kinder erziehen, Erfolg im Beruf zu haben und viele Dinge dieser Art. Allerdings erscheint mir dieser Sinn nicht unbedingt krisenfest. An solchen Vorstellungen scheiden sich wohl die Geister, denn so manchem Menschen reichen irdische Vorstellungen, die aus meiner Sicht zu endend und weltlich sind.

Ab Anfang der 80er Jahre begeisterten mich die Vorstellungen von Alfred Adler mit seiner Individualpsychologie. Nach dessen Theorien ist der Mensch mit seiner Unvollkommenheit sein ganzes Leben lang darum bemüht seine Minderwertigkeiten, die jeder Mensch nun mal hat, zu kompensieren. Das heißt, er ist stets bemüht sein Dasein zu verbessern um Vollkommen zu werden, was für jeden Menschen anders aussehen kann. Der Grundgedanke dahinter bedeutet, dass die Menschheit im Laufe der Evolution ein allgemeines Gemeinschaftsgefühl erworben hat. Seelische Krankheiten, wie Neurosen, die fast jeder Mensch hat, sind Symptome eines Konflikts des einzelnen Menschen mit der Gemeinschaft. Dieses Gemeinschaftsgefühl kann durch Hemmungen und Ängste, die durch frühkindliche negative Einflüsse entstehen, gestört sein.

Die Aufgabe des Menschen ist diese Störungen heraus zu finden und zu überwinden. Als Störung des Gemeinschaftsgefühl können auch unangemessene Wünsche des Einzelnen gelten, die durch die Hinwendung zur Gemeinschaft verändert werden können. Je nach Maß wie ein Mensch in der Gemeinschaft verwurzelt ist, ist dieser im Stande sein Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten. Mit diesen Handlungen sichert er seine seelische Gesundheit und setzt das Erbe seiner Evolution fort. Es liegt an der mangelnden sozialen Integration eines Menschen in die Gemeinschaft, dass dieser von dem vorgegebenen Weg abkommt und untaugliche Antworten auf die Fragen des Lebens meint gefunden zu haben.

Durch eine sich ständig verändernde Außenwelt ist der Mensch immer wieder dazu gezwungen neue Anpassungsversuche zu unternehmen, um so ein gewisses Maß an Harmonie mit der Umgebung zustande zu bringen. Unter diesem Gesichtspunkt ist jedes Menschenleben ein Versuch, die unausweichlichen Fragen des Daseins sinnerfüllend zu beantworten. Laut Adler sind Liebe, Arbeit und Menschlichkeit die Mittel, mit der jeder Mensch versuchen kann seine Aufgaben in der Gemeinschaft den eigenen Fähigkeiten entsprechend zu lösen. Der Sinn des Lebens kann nach Adler für den Menschen nur darin bestehen, einen möglichst großen Einklang mit der mitmenschlichen Umwelt und mit dem Übersinnlichen im Kosmos zu erlangen.

Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass diese Theorien bereits 100 Jahre alt sind, und die Gesellschaften sich auch in ihren Erscheinungen und Ansprüchen erheblich verändert haben. In der heutigen Zeit, wo das Individuum in den Vordergrund rückt und die Interessen der Gemeinschaft verblassen, scheint es immer schwerer zu werden, den Sinn des Lebens für den Einzelnen zu finden. Viele Menschen treiben ohne langfristiges so dahin und greifen nach Gutdünken hier und da in ihrer Umgebung etwas auf, was ihrem Auge gefällt, ihrer Eitelkeit schmeichelt und ihren Hunger nach Befriedigung stillt. Wenn sich das Leben dem Ende nähert, sind viele Menschen dem eigentlichen Ziel und Sinn des Lebens nicht näher als zu Beginn ihres Lebens. In Hinsicht an ein Leben nach dem Erdenleben was ein ewiges Leben bedeutet, sind alle anderen weltlichen Interessen und Unternehmungen des Menschen nebensächlich.

So gesehen, stellt das Erdenleben für den Menschen eine Schule und ein Prüfungsort dar, wo er sich bewähren kann. Für mich bedeuten die obigen Ausführungen, dass der Mensch durch seine verändernde Umwelt immer mehr von seinem eigentlichen Sinn des Lebens abkommt und sich in Nebensächlichkeit verliert. Auch hier lässt sich eine Verbindung zum Gedanken der Endzeit der Menschen ziehen, und den ich bereits im Text das „Prähistorische Reich“ erwähne. Den Gedanken zur Endzeit des Menschen findet man in der Bibel, im 2. Timotheus 3:1-5.

Literatur:

Josef Rattner: „Die Individualpsychologie Alfred Adlers“, Kindler Verlag 1980