Die Bibel

Die Bibel

Schon als Jugendlicher habe ich mich gefragt, ob die jeweilige Bibel wirklich das geschriebene Wort Gottes, Jesu Christi und der unterschiedlichen Propheten sei, oder ob die Inhalte der Bibel über die Jahrhunderte verfälscht und uminterpretiert worden sind. Wenn man sich einschleichende Fehler bei der menschlichen Kommunikation ansieht, und feststellt, dass die Menschen sich oft missverstehen und Aussagen anderer mitunter verfälscht wiedergeben, dann kann man sich vielleicht auch vorstellen, das die Lehrinhalte der Bibel auch im Endergebnis nicht mehr so geschrieben sind, wie sie ursprünglich einmal gemeint waren. 

Das Wort “Bibel” kommt von dem lateinischen Wort Biblia. Im Griechischen war dieses Wort ursprünglich ein Plural und bedeutet “Bücher”. Die Bibel besteht aus einer Anzahl von verschiedenen Schriften oder Büchern die zwischen 1000 v. Chr. und 100 n. Chr. entstanden sind. Die einzelnen Bücher unterscheiden sich stark voneinander und mussten im Laufe der der Zeit meist beträchtliche Veränderungen durch Neuauflagen, Neuinterpretationen, Adaptierungen und Erweiterungen über sich ergehen lassen. 

Höchstwahrscheinlich wurden viele Abschnitte der Bibel lange, bevor man sie schriftlich niederlegte, von Stammesältesten und Geschichtenerzählern mündlich erzählt und weitergeben. Die Kunst des Schreibens entwickelten vermutlich im 4. Jahrhundert v. Chr. die Sumerer, die in Mesopotanien eingefallen waren. Es scheint, dass die Israeliten vor der Ära des vereinigten Königreiches, die unter Saul im 11. Jahrhundert v. Chr. begann und von David und Salomo fortgeführt wurde, kaum schriftliche Aufzeichnungen verwendeten. Als das vereinigte Königreich an Macht und Einfluss gewann, blühten Handel und Gewerbe auf, und der Bedarf an schriftlichen Aufzeichnungen wurde größer.

Dann, als sich die Kunst des Lesens und Schreibens ausbreitete, entwickelte sich aus den bisher mündlich überlieferten Erzählungen allmählich eine geschriebene Literatur. Vermutlich wurden einige der alten israelitischen Überlieferungen während der Regierungszeit Salomos im 10. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben, doch insgesamt zog sich die Aufzeichnung der bisher nur mündlich weitergegebenen Geschichten über Hunderte von Jahren hin. Und kaum war ein Teil der Bibel auf einer Schriftrolle festgehalten, deren Lebensdauer begrenzt war und die im Laufe der Zeit und durch den häufigen Gebrauch immer brüchiger wurde, mussten sich die Schreiber gewissenhaft der Mühe unterziehen, exakte Abschriften anzufertigen. Nach ihnen kamen andere Schreiber, die diese Abschriften erneut kopierten, und so ging es durch die Jahrhunderte.

Heute geht man davon aus, dass selbst die ältesten erhaltenen Abschriften biblischer Texte erst Hunderte von Jahren nach der ersten Aufzeichnung erstellt wurde. Das neue Testament wurde zum Großen Teil während der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. niedergeschrieben. Die Veränderungen lassen sich nur mit Hilfe der Methoden der Bibelkritik, wie sie seit dem 19. Jahrhundert von zahlreichen Wissenschaftlern angewendet werden, erforschen. Die Ergebnisse bleiben dennoch oft hypothetisch, und die einzelnen Gelehrten gehen in der Einschätzung der Fakten oft weit auseinander.

Angesichts der oben beschriebenen Fakten ist es mir oft ein Rätsel, wie die unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften mit ihren verschiedenen Bibelausgaben innerhalb des Christentums von sich behaupten, nur sie würden das wahre Christentum verkünden.

Literatur: 

J. R. Porter: “Das große Buch der Bibel”, Orbis Verlag 1995

David Noel Friedman, Thomas L. Robinson: “Neue Einblicke in die Faszinierende Welt der Bibel”, Das Beste Verlag 1992