Menschliche Kommunikation

Menschliche Kommunikation

Die Kommunikation zwischen Menschen ist sehr komplex und häufig auch durch diverse Störungen gekennzeichnet, was zu Missverständnissen führen kann und dadurch eine befriedigende Kommunikation fasst unmöglich gemacht werden kann. Menschen kommunizieren miteinander, wissen aber oft nicht was das Gegenüber meint, fragen aber auch nicht nach was der Gesprächspartner gemeint hat, sondern interpretieren in das vermeintlich Gesagte etwas hinein, was die ursprüngliche Kommunikationsaussage völlig falsch wiedergibt. Jeder Mensch kommuniziert, aber nicht viele Menschen wissen, was Kommunikation wirklich ausmacht. Da ich schon oft beobachtet und erlebt habe, dass meine Gesprächspartner mich nicht verstanden oder meine Aussagen falsch wiedergegeben bzw. in diese etwas hineininterpretiert haben, was meine Aussagen völlig verfälscht hat, habe ich mich gefragt, was die Wissenschaft unter Kommunikation versteht, und wie Störungen entstehen können.

Laut wissenschaftlicher Literatur kommt der Begriff Kommunikation aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Mitteilung oder Unterredung. Wenn man Menschen in Kommunikationssituationen beobachtet, dann kann man nur einen Bruchteil dessen wahrnehmen, was Kommunikation als Ganzes wirklich ausmacht. Aus  der Vielfalt der Fachliteratur kristallisieren sich sechs folgende Bestandteile der menschlichen Kommunikation heraus: 1.) Kommunikation ist ein Prozess zwischen mindestens zwei Teilnehmenden Personen. Die beteiligten Personen treten miteinander in Beziehung, indem sie Zeichen und Symbole miteinander direkt oder indirekt miteinander austauschen. 2.) Die Nachricht entspricht den Zeichen und Symbolen, die von der sendenden Person und von der empfangenden Person dekodiert werden. Zu beachten ist, dass die gesendete und die empfangende Nachricht sich nicht notwendigerweise entsprechen müssen, was bei Missverständnissen festzustellen ist. 3.)  Das Senden als auch der Empfang von Nachrichten setzen angemessene Mittel bzw. Bedingungen voraus. 4.) Kommunikation findet stets in einem bestimmten Zusammenhang statt. Das jeweilige Kommunikationsklima kann neben anderen Faktoren, wie den vorherrschenden Kommunikationsregeln, den gesamten Kommunikationsprozess und dessen Resultate mitbestimmen. 5.) Kommunikation hat interaktiven Prozesscharakter und ist durch wechselseitige Beeinflussung gekennzeichnet. 6.) Obwohl Kommunikation immer ein Ziel verfolgt, muss sie nicht immer vollständig bewusst erfolgen.

Menschliche Kommunikation ist nicht immer erfolgreich und Personen unterscheiden sich darin wie gut sie kommunizieren können. Die Fähigkeit von kommunizierenden Menschen angemessenes Verhalten auszuwählen und so zwischenmenschliche Ziele zu erreichen, ohne die Interessen des Gegenübers massiv zu verletzen wird als kommunikative Kompetenz bezeichnet. Zu kommunikativer Kompetenz gehören die Fähigkeiten, die eigene Position angemessen zu vertreten und passende Wege sowie Bedingungen zur Übermittlung einer Nachricht zu finden. Sowohl Unsicherheit als auch Arroganz kann effektiver Kommunikation hinderlich sein. Bei der Betrachtung des Kommunikationsverhaltens sind überdauernde Verhaltensmuster der Beteiligten und das aktuelle Verhalten von Sender und Empfänger von Bedeutung.

In der wissenschaftlichen Literatur gibt es zahlreiche Modelle, um die menschliche Kommunikation zu untersuchen und zu erklären. Um die Thematik etwas einzugrenzen und diesen Rahmen hier nicht zu sprengen, lege ich den Fokus auf die Psychologischen Kommunikationsmodelle, welche sich in vier Gruppen unterscheiden. Zu nennen sind hier die Encoder- / Decoder- Modelle, Intentionsorientierte Modelle, Perspektivübernahme Modelle und Dialog Modelle. Die mir bekanntesten Kommunikationsmodelle ist das von Schulz von Thun, welches ein Encoder- / Decoder- Modell darstellt, und das von Paul Watzlawick, welches ein Dialog Modell darstellt. Auf dieser Seite werde ich mich auf das Kommunikationsmodell von Paul Watzlawick beschränken, weil ich es am liebsten mag, obwohl ich während meines Studiums des Sozialwesens mehrere Kommunikationsmodelle kennenlernte, so liegt mir die Erklärung von Kommunikation nach Paul Watzlawick am nächsten, weil ich es einfach besser verstehe.

Paul Watzlawicks Kommunikationsmodell stammt aus dem Jahre 1969 und gründet sich auf fünf für richtig befundene Grundsätze, die Axiome genannt werden. Kommunikation verläuft nach diesem Modell kreisförmig. Demnach sind nicht nur die Reaktionen einer Person auf die Worte einer anderen Person bedeutsam, sondern auch die Rückwirkung, die die Reaktion von der einen Person dann auf die andere Person hat. Die Stärken dieses Modells sind die Einbeziehung psychologischer Prozesse und der Verzicht auf das unterstellte Interesse von Sender und Empfänger, eindeutige Botschaften zu senden und zu empfangen. Es wird betont, dass es bei der menschlichen Kommunikation nicht nur um den sachlichen Austausch von Informationen geht, sondern dass Senden und Aufnehmen von Informationen interessengeleitet ist.

Vom ersten Tag seines Lebens an beginnt der Mensch die Regeln der Kommunikation zu erlernen, obwohl diese dem Menschen nicht notwendigerweise bewusst werden. Störungen der Kommunikation werden auf Verstöße gegen die Axiome zurückgeführt. In der Metakommunikation sieht Watzlawick ein Mittel, um Kommunikationsstörungen aufzudecken und gegebenenfalls auch zu beheben. Metakommunikation wird als Kommunikation über das aktuelle Gespräch verstanden. Die fünf Axiome der Kommunikation nach Paul Watzlawick sind: 1.) Man kann nicht, nicht kommunizieren. 2.) Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. 3.) Kommunikationsabläufe werden unterschiedlich strukturiert. 4.) Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. 5.) Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch (gleichwertig) oder komplementär (ergänzend), je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.

Das erste Axiom basiert auf dem Umstand, das jedes Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation Mitteilungscharakter aufweist. (z.B. Handeln. Nichthandeln, Schweigen, Worte oder fehlende Worte.) Demnach ist alles Verhalten Kommunikation. Kann man sich nicht verhalten? Nein. Folglich kann man auch nicht, nicht kommunizieren. Paul Watzlawick geht davon aus, dass Kommunikation, gewollt oder ungewollt, stattfindet sobald Menschen sich wahrnehmen. Wie das Verhalten wirkt, hängt von der jeweiligen Interpretation des Empfangenden ab. In Bussen, Zügen oder Straßenbahnen kann man beobachten wie Menschen durch ihr Verhalten kommunizieren, indem sie z.B. durch das Besetzen mit einer Tasche oder Rucksack des Nebensitzes zeigen, ob sie möchten, dass man sich neben sie setzt.

Das zweite Axiom soll betonen, dass jede Kommunikation einen Inhalts- und Beziehungsaspekt hat. Der Inhaltsaspekt wird vorwiegend verbal übermittelt und umfasst die reinen Sachinformationen. Der Beziehungsaspekt wird hingegen verbal und nonverbal übermittelt. Er gibt vor, wie die Sachinformationen vom Empfangenden aufzufassen sind und wie die sendende Person die Beziehung zwischen sich und der empfangenden Person definiert. Die Art und Weise wie eine Aussage oder Frage übermittelt wird, durch Tonfall, Mimik und Gestik kann die Einstellung der Kommunikationspartner zueinander ausdrücken. Der Beziehungsaspekt der Kommunikation färbt den Inhaltsaspekt ein und kann somit Zuneigung oder Ablehnung vermitteln. Das WAS und das WIE der Botschaft können mitunter in direktem Widerspruch zueinander stehen, was eine gelingende Kommunikation erschweren kann.  Die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Beziehungsebene ist besonders wichtig, wenn Kommunikationsstörungen vorliegen. Diese betreffen häufig die Beziehungsebene. Sie treten z.B. dann auf, wenn Konflikte der Beziehungsebene auf der Inhaltsebene ausgetragen werden oder wenn Uneinigkeit über die Art der Beziehung besteht.

Nach dem dritten Axiome werden Kommunikationsabläufe unterschiedlich strukturiert und ist zirkulär sowie ohne klar definierendem Anfang oder Schluss, was einen fortwährenden Austausch darstellt. Was dabei Ursache und was Wirkung ist, liegt in der subjektiven Interpretation der Kommunikationspartner. Die von Watzlawick vertretene Position des „Konstruktivismus“ geht davon aus, dass der Mensch in einer konstruierten Wirklichkeit lebt, die er aufgrund persönlicher Erfahrungen und Urteile selbst geformt hat. Da der Mensch seine subjektive Wirklichkeit für wahr hält, bestimmt diese sein Handeln. Die Schwierigkeit hierbei kann sein, dass die Interaktionspartner möglicherweise von unterschiedlichen „Wirklichkeiten“ ausgehen.

Das vierte Axiom lautet, menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Bedingungen. Nach Watzlawick können zwei Bedingungen menschlicher Kommunikation unterschieden werden, die digitale und die analoge Kommunikation. Die digitale und die analoge Kommunikationsweisen ergänzen sich. Der Inhaltsaspekt einer Kommunikation wird meistens digital, der Beziehungsaspekt meistens analog übermittelt. Neben dem Miteinander-Sprechen sind immer auch Körpersprache, Sprechweise und Kontext zu berücksichtigen. Das beide Bedingungen getrennt voneinander schwer richtig zu interpretieren sind, liegt auf der Hand. Gerade die nicht sprachlichen, analogen Elemente sind bedeutsam für Mitteilungen über die Beziehung. Die Berücksichtigung dieser Form der Kommunikation dient der Deutung der Gesamtaussage, wenn die Körpersprache im Widerspruch zum Gesagten steht. Durch die Mehrdeutigkeit digitaler und analoger Kommunikation kann es zu Störungen der zwischenmenschlichen Kommunikation kommen.

Das fünfte Axiom, „zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht“, bedeutet, dass in komplementären Beziehungen sich unterschiedliche Verhaltensweisen ergänzen und so den Interaktionsprozess bestimmen. Grundlage dafür ist die Unterschiedlichkeit von Partnern, die auf Ergänzung ausgerichtet ist. Personen, die um eine symmetrische Beziehung bemüht sind, versuchen dagegen Ungleichheiten zu vermeiden. Die Menschen leben in einer Vielzahl von Sozialbeziehungen und Rollen. Folglich wechseln sie zwischen Symmetrie und Komplementarität. Häufig sind entsprechende Verhaltensanforderungen institutionell oder durch soziale Zusammenhänge vorgegeben. Komplementarität bedeutet daher nicht notwendigerweise Unterlegenheit oder Passivität einer Rolle.

Komplementäre Beziehungen entstehen in der Regel nicht dadurch, dass eine Person der anderen diese Beziehungsform aufzwingt, sondern dadurch, dass das Gegenüber die Rollendefinition annimmt. Mit Wechsel der Rollendefinition ändert sich üblicherweise auch die Beziehung. Sehr weitreichende und unflexible Komplementarität ist dagegen durchaus problematisch. Ebenso kann extreme Abkehr von Komplementarität zu symmetrischer Eskalation führen. Beim Streben nach Gleichheit besteht manchmal das Bedürfnis, selbst ein weniger gleicher zu sein als das Gegenüber, woraus eine symmetrische Eskalation entstehen kann. Eine Person versucht dabei, in einem für ihre Selbstdefinition wichtigen Bereich, einen kleinen Vorsprung vor dem Gegenüber zu erlangen. Das Gegenüber wird wiederum versuchen, die nun eingetretene Komplementarität zu reduzieren und evtl. selbst einen kleinen Vorsprung zu bekommen. Ein solches „sich Hochschaukeln“ beginnt in Beziehungssystemen, die an Stabilität verloren haben und zu Rivalitätskämpfen wurden.

Eine gelingende Kommunikation ist also auch sehr stark von einer bewussten und reflektierten Wahrnehmung der Kommunikationspartner abhängig. Gesunde Menschen nehmen nicht alle Informationen wahr, die potenziell verfügbar sind. Die menschliche Wahrnehmung ist selektiv. Bei einem Gespräch an einer befahrenen Straße selektieren die Menschen beispielsweise das Gesagte heraus und konzentrieren sich auf das Gespräch. Im Gegensatz dazu nehmen sie vergleichsweise  wenig von vorbeifahrenden Personen oder vorbeifahrenden Autos wahr. Überdies werden nicht alle erhaltenen Informationen korrekt wahrgenommen. Menschen gestalten ihre Wahrnehmung aktiv und sind keinesfalls passiv aufnehmend. Insofern kann die Annahme, dass der Mensch andere Personen auf korrekte, unverfälschte Weise wahrnimmt, als Mythos gelten. Vielmehr resultiert aus der schlussfolgernden und selektiven Natur der sozialen Wahrnehmung sowie aus ihrer starken Abhängigkeit von den Wissensstrukturen, Erwartungen und Erkenntnisprozessen der wahrnehmenden Person in vielen Fällen eine ungenaue oder vorurteilsbehaftete Wahrnehmung bzw. Fehlkommunikation. Von Bedeutung ist darüber hinaus die Wahrnehmung der eigenen Person.

Literatur:

Paul Watzlawick: „Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien“, Huber Verlag 1990

Friedemann Schulz von Thun: „Miteinander reden – Störungen und Klärungen“, Band 1-3, Rowohlt Verlag 1981

Jessica Röhner/Astrid Schütz: „Psychologie der Kommunikation“, Springer Verlag 2012