Vegetarische Ernährung

Vegetarische Ernährung

Seit 1991 ernähre ich mich vegetarisch. Meine Motivation Vegetarier zu werden war zunächst aus gesundheitlichen Gründen. Damals war ich lange im Krankenhaus und danach in einer Reha, wo ich meine Ernährung völlig umstellte. Dadurch verbesserte sich mein Gesundheitszustand so sehr, dass ich diese Ernährungsform mit sehr vielen theoretischen Auseinandersetzungen und viel Recherche von Ernährungsliteratur bis heute beibehielt. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir mit der vegetarischen Ernährungsform etwas an Nahrungsvielfalt fehlt. Und schon gar nicht fehlt mir der Verzehr von Fleisch, denn nach 30 Jahren vegetarischer Ernährung empfinde ich bei dem Geruch von Fleisch eher Ekel. Vegetarische Ernährung heißt bei mir kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier und selten Milchprodukte. Obst, Gemüse und Getreide in geringer Menge, sowie Nüsse und Samen sind bei mir Hauptbestandteil meiner Ernährung. Hinzu konsumiere ich zusätzlich 100 ug Vitamin B12 täglich, da meine Kostform zu 90% vegan ist, diese aber nicht zu streng praktiziere, da ich auch mal Honig und selten Käse esse. 

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Nahrungsmittelauswahl im Allgemeinen bei der Bevölkerung in Deutschland sowie in anderen westlichen Industrieländern stark verändert, hin zu einer reich an Energie, Fett, Protein und isolierten Kohlehydraten Ernährungsform gewandelt. Daraus entsteht häufig eine Mangelernährung, da diese fleischlastige Kostform arm an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist. Nach offiziellen Schätzungen gehen 30% aller Krankenkosten in Deutschland auf ernährungsbedingte Krankheiten zurück, die Kosten in Höhe von etwa 70 Mrd. Euro pro Jahr verursachen (Stand 2010). Bevölkerungsstudien zeigen, dass eine Reihe chronischer Erkrankungen bei Vegetariern deutlich seltener vorkommt als im Bevölkerungsdurchschnitt. Aus der Gesamtheit der heute vorliegenden Studien lässt sich ableiten, dass eine gut zusammengestellte vegetarische Ernährung als stark gesundheitsfördernd und weniger gesundheitsgefährdend einzustufen ist.

Bei meiner jahrelangen Auseinandersetzung theoretischer und praktischer Form beschäftigte ich mich mit M.O. Bruker, Werner Kollath, Are Wärlander, und anderen. Dabei kristallisierte sich im Laufe der Jahre für mich eine überwiegend vegane Lebensform heraus. Zu dieser Ernährungsform gehört aus meiner Sicht eine ausgewogene Ernährung, körperliche Aktivität wie Laufen und Fahrradfahren, Stressvermeidung, bzw. Stressbewältigung und das Meiden von Nikotin, sowie sehr seltenen Genuss von Alkohol. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass es jedem selbst überlassen ist, wie er/sie sich ernähren möchte und ich hier nicht missionieren möchte, denn die individuelle Auseinandersetzung mit seiner Ernährung muss jeder selbst führen, wie auch die Konsequenzen seiner Ernährung jeder selbst tragen muss. Betonen möchte ich hierbei aber, dass eine vegetarische Ernährung zur Prävention und zur Behandlung von bereits bestehenden Erkrankungen, körperlicher aber auch psychischer Art, besonders geeignet ist.

Insbesondere ist der Verzehr von reichlich Gemüse und Obst und die damit verbundene höhere Zufuhr von Kalium und Magnesium hervorzuheben. Auch der geringere Verzehr von Fett, gesättigten Fettsäuren und Cholesterin sowie die höhere Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren tragen zur Verbesserung der Blutwerte bei. Vegetarier sind aufgrund ihrer Ernährungs- und Lebensweise weniger von atherogenen Risikofaktoren betroffen, ihr Risiko an tödlichen Krankheiten sowie Herzerkrankungen liegen deshalb niedriger als bei Nichtvegetariern. Für viele Vegetarier und Veganer stehen allerdings weniger die gesundheitlichen Aspekte im Vordergrund, sondern ethische, religiöse und politische Gründe dominieren deren Motivation sich vegetarisch zu ernähren. Diese Vegetarier und Veganer sollten sich gründlich über eine bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr informieren, da hier auf Spurenelemente (Vitamin B12) und besser angereicherte Lebensmittel zu achten ist. 

Meine jahrelangen Erfahrungen mit der vegetarischen Ernährung haben mir gezeigt, dass diese Ernährungsform nur Vorteile und eine Verbesserung an Lebensqualität mit sich bringt. Aufgrund des Klimawandels und der Massentierhaltung mit diversen Skandalen und negativen Auswirkungen, wozu aus meiner Sicht auch die Coronakrise im Jahr 2020 gehört, hat der Vegetarismus beste Chancen, die Ernährungsform der Zukunft zu werden. Hier ist natürlich eine langfristige Sichtweise notwendig, da die meisten Menschen erst ihre Lebensführung überdenken, wenn sie nicht mehr anders können, oder diese dazu gezwungen sind durch Krankheit oder äußerem Druck.  

Literatur:

Claus Leitzmann / Markus Keller: “Vegetarische Ernährung”, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2010 

M.O. Bruker: “Unsere Nahrung – Unser Schicksal”, Emu Verlag Lahnstein 1995

Werner Kollath: “Die Ordnung unserer Nahrung”, Haug Verlag 1989